Ein klares „Nein!“ zum Ausbau des Ethikunterrichts als Ersatzpflichtgegenstand zum Religionsunterricht

In einem Entschließungsantrag der Regierungsparteien wurde im Jänner 2012 Unterrichtsministerin Claudia Schmied aufgefordert, bis Oktober 2012 "mögliche Modelle für den Ausbau eines Ethikunterrichts vorzulegen, einschließlich der jeweiligen Kosten für das Unterrichtsbudget und unter Einbeziehung von Fragen der Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für jene Lehrerinnen und Lehrer, die Ethik unterrichten sollen“.

Der Ethikunterricht wurde vor 15 Jahren als „Ersatzpflichtgegenstand zum Religionsunterricht“ unter dem Deckmantel eines Schulversuchs eingeführt. Anfangs, um Schülern, die den Religionsunterricht nicht besuchen, mehr als eine Freistunde als Alternative anzubieten. Mit der Zeit aber zunehmend, um weitere Abmeldungen vom Religionsunterricht zu verhindern. Heutzutage werden in knapp 200 Schulen landesweit alle konfessionsfreien Schüler sowie jene, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, VERPFLICHTET, ersatzweise einen Ethikunterricht zu besuchen. Das Auseinanderreißen von Klassenverbänden einzig und alleine entlang weltanschaulichen, konfessionellen und, wie es oft der Fall ist, ethnischen Linien, führt jedoch zu einer verfassungsrechtlich bedenklichen Diskriminierung. Und dass diese Praxis bestens dazu geeignet ist, die Schule daran zu hindern, ihre verfassungsrechtlich verankerten Aufgaben im Bereich der Integrations- und Pluralismusförderung zu erfüllen, darf auch angenommen werden.

Die Schöpfungsgeschichte liefert keine Alternative zum Biologieunterricht, keine allgemeingültigen juristischen Erkenntnisse entspringen dem Studium der Scharia und biblische Überlieferungen stehen oft in Konflikt mit dem, was uns die moderne Zeitgeschichte lehrt. Entsprechend kann in einer säkularen und aufgeklärten Gesellschaft auch der Religionsunterricht keinen Ersatz zu einem fundierten, weltanschaulich neutral konzipierten und entsprechend präsentierten Ethikunterricht liefern. Und schon gar nicht, wenn der zwingende Besuch des Ethikunterrichtes erst durch den Nichtbesuch des Religionsunterrichtes zustande kommt.

Am 25.8.2012 gab Unterrichtsministerin Schmied bekannt, bis Jahresende ein Konzept für den Ethikunterricht vorlegen zu wollen. Dieses soll kein Entweder-Oder Modell darstellen und zudem eine Qualitätssicherung enthalten. Diese an und für sich selbstverständliche Äußerung löste eine beispiellose Welle der Empörung aus: zahlreiche konservative bzw. kirchliche Organisationen und ihre Vertreter fühlten sich auf den Plan gerufen, gegen „diesen beispiellosen Angriff auf den Religionsunterricht“ aufzubegehren. Absurd wie die Behauptungen des Reli-Lagers sein mögen – der politische Wille, nun ein für alle Mal klare Verhältnisse im Sinne der gebotenen Trennung von Staat und Kirche zu schaffen, hält sich in Grenzen. Viel zu emotional geladen ist das Thema, um eine rationale Lösung zu ermöglichen; viel zu schwerwiegend sind die Kircheninteressen, die von einer „falschen“ Umsetzung beschnitten werden können.   

Doch es kann auch sein, was nicht sein darf. Ein Ethikunterricht für ALLE ist der einzig gangbare Weg in einer Demokratie und Religion hat in Schulen tatsächlich nichts verloren. Zumindest nicht als bestimmender Faktor.

„Ethik für ALLE“ fordert eine gleichnamige Plattform, die sich für die Trennung von Staat und Kirche in Schulen einsetzt. Eine Plattform, die keine faulen großkoalitionären Kompromisse in Österreichs Schulen dulden wird. In Zusammenhang mit der flächendeckenden Einführung eines Ethikunterrichtes verlangen wir daher folgendes:

1. Sachlichkeit. Die Entscheidung, einen Ethikunterricht – ob als Pflicht- oder als Wahlfach – einzuführen, hat ausschließlich nach einer reinen pädagogischen Priorisierung und nach Maßgabe der Finanzierungsmöglichkeiten zu erfolgen. 

2. Gleichbehandlung. Die Pflicht bzw. die Möglichkeit, den Ethikunterricht zu besuchen, darf bei keinem Schüler von dem Besuch des konfessionellen Religionsunterrichtes abhängig gemacht werden.  

3. Qualitätssicherung. Speziell beim Ethikunterricht ist eine erhöhte Gefahr der subjektiven weltanschaulichen Einflussnahme auf den Unterricht bzw. auf die Lernunterlagen gegeben. Die weltanschauliche Neutralität des Ethikunterrichtes, ob als Pflicht- oder als Wahlfach, muss garantiert und streng eingehalten werden. 

 

Wir werden auf die Erfüllung dieser Punkte pochen, nicht weil wir gegen Religion sind, sondern weil wir für Religionsfreiheit in einem säkularen Staat kämpfen. Und das ist nicht zuviel verlangt.

 „Ethik für ALLE“ versteht sich als eine strikt überparteiliche Plattform, die jedem offen steht, der sich mit den drei Grundforderungen identifiziert – nicht mehr aber auch nicht weniger.

Wie kann ich helfen?

Lass deinen Lieblingsabgeordneten wissen, dass du von ihm mehr Laizität und weniger Parteidisziplin erwartest.

Lass deine Bekannten wissen, dass es die Forderung „Ethik für ALLE“ gibt.

Melde uns Fälle der weltanschaulichen Diskriminierung in der Schule.

Und ja, deine Spende kommt auch dem Werbebudget zugute.