02.04.2012 Richtigstellung und Replik auf Michael Prüllers „Religiöser Überfall?“ vom 31.3.2012

Der jüngste Versuch der Initiative Religion ist Privatsache, ORF und Kirche zu trennen, hat Michael Prüller, ob als Ex-Journalist oder nun Kirchenmann, sichtlich verstört. Wutentbrannt verwechselte Prüller in seinem Artikel „Religiöser Überfall“ (DiePresse.com 31.3.2012) Fiktion und Realität, Personen und Organisationen, gut und böse. Selbst die Tatsache, dass besagte Initiative zum Kärntner Karfreitag-Veranstaltungsverbot und dem daher verbotenen Villacher Eishockey-Ländermatch bisher KEIN EINZIGES WORT verloren hat, hielt ihn nicht davon ab, ihr gleich einen ganzen Satz als Zitat in den Mund zu legen. Und so muss es auch sein: In manchen Situationen kann man sich von Fakten nicht beirren lassen, selbst wenn man für die katholische Kirche arbeitet.

Und Prüller ist nicht der einzige, der uns, den Volksfeind Nr.1, durchschaut hat. Schließlich weiß ja jeder, was Laizisten, egal wie sie sich nennen oder welcher Organisation sie angehören, wirklich wollen: den schutzlosen und in Österreich vom Aussterben bedrohten Katholizismus in all seinen Erscheinungsformen vom öffentlichen Raum restlos zu eliminieren und bestenfalls in den privaten Herrgottswinkel zu verbannen. Und man kann Prüller beileibe jegliche Übertreibungen, Verwechslungen oder überspitzte Formulierungen aus gutem Grund auch verzeihen: schließlich kämpft er, ganz selbstlos, für nichts Geringeres als die Rettung des Abendlandes vor jenem Personenkreis der, sollte man ihm nicht die zivilcouragierte quasi-journalistische Stirn zeigen, demnächst den Stephansdom nach Kaisermühlen transferieren und sowieso Wolfgang, Pölten und Marx ihres „Sankt“ berauben würde.

Soweit die wundervolle Welt eines Kommunikationschefs der Erzdiözese Wien, der nichtkatholische ORF-Zuseherinnen und Zuseher schlichtweg für dumm hält. Zumindest zu dumm, um eine landesweite Schweigeminute in der „des Kreuztodes Jesu gedacht werden soll“ als das begreifen könnten, was sie in der Tat ist: nämlich eine unzulässige religiöse Vereinnahmung des ORF.

Ist aber die Forderung nach einer ANGEMESSENEN Anpassung des Osterprogramms an die tatsächlich aktuell gelebte Religiosität in Österreich wirklich ein Affront? Sei die Hinterfragung eines weltlichen Aktes wie eine landesweite ausschließlich religiös konnotierte Schweigeminute wirklich verwerflich, insbesondere wenn diese seitens des de-facto staatlichen Rundfunks und nicht Radio-Stephansdom durchgeführt wird? Diese zwei Fragen sowie viele andere, die wir – ob als Initiative oder Einzelpersonen – zum Verhältnis Staat-Kirche stellen, sind durchaus berechtigt und haben es nicht verdient, mit pseudosarkastischen Scheinargumenten als lediglich religiösfeindlich abgetan zu werden. Und schon gar nicht seitens eines Bediensteten der katholischen Kirche, ein „Unternehmen“ (Zitat: Dr. Schönborn, ORF-Interview vom 1.4.2012), das ohne die immer weniger leistbare üppige Unterstützung aller SteuerzahlerInnen – Andersgläubige und Konfessionsfreie inklusive – Big Crunch-artig implodieren würde. Etwas mehr Respekt gegenüber jener Hand, die jemanden über Direktzuwendungen ohne Gegenleistung, der gänzlichen Finanzierung des Religionsunterrichtes und der theologischen Fakultäten und nicht zuletzt der Gratisübertragung von Gottesdiensten füttert, wäre angebracht. Auch wenn ihm etwas, was anderen vielleicht entgeht, offenbart wurde. Und nun, ganz nebenbei, zum Ländermatch in Kärnten: Ein religiös motiviertes flächendeckendes Veranstaltungsverbot sei verwerflich, auch wenn es von einem Landtag erlassen wurde, dessen Abgeordnete mit Sicherheit der ethischen Elite der österreichischen Politik angehören. Ob es angebracht sei, ein, womöglich zu einem hohen Grad öffentlich finanziertes, Eishockeymatch ausgerechnet am Karfreitag anzusetzen, darf jedoch hinterfragt werden.   

Mag. Eytan Reif ist Vorstandsmitglied der Initiative Religion ist Privatsache

 

Link zu Michael Prüllers Artikel "Religiöser Überfall?" vom 31.3.2012:

diepresse.com/home/meinung/cultureclash/745314/Religioeser-Ueberfall

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